Wenn Diagnosen zum Trend werden und Persönlichkeit auf der Strecke bleibt
Narzissmus, ADHS, Autismus.
Kaum ein Jahr vergeht, ohne dass bestimmte Diagnosen verstärkt durch Medien, soziale Netzwerke und populäre Psychologie kursieren. Begriffe werden schnell übernommen, geteilt, erklärt und angewendet. Auf andere und nicht selten auch auf sich selbst.
Dieser Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, warum bestimmte Störungsbilder immer wieder in den Fokus rücken und was das mit unserer Art zu denken, zu bewerten und einzuordnen macht. Nicht jedes auffällige Verhalten ist eine Störung. Nicht jede Abweichung von der Norm ist pathologisch. Und nicht jeder Mensch, der anders reagiert, fühlt oder denkt, braucht ein diagnostisches Etikett.
Es geht darum, wie Diagnosen entstehen, wofür sie gedacht sind und wo ihre Grenzen liegen. Diagnosen können helfen, Zusammenhänge zu verstehen und Unterstützung zu ermöglichen. Gleichzeitig können sie Persönlichkeit verengen, wenn sie vorschnell vergeben, unkritisch übernommen oder zur Identität gemacht werden.
Der Vortrag beleuchtet, wie mediale Trends psychologische Begriffe vereinfachen und verzerren. Wie schnell komplexe Lebensgeschichten auf einzelne Merkmale reduziert werden. Und wie leicht dabei das verloren geht, was einen Menschen eigentlich ausmacht.
Im Mittelpunkt steht ein differenzierter Blick auf psychische Vielfalt. Verhalten wird nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang von Biographie, Beziehung, Belastung und Persönlichkeit. Es geht um Verstehen statt Einordnen, um Entwicklung statt Festschreibung und um den Mut, Ambivalenz auszuhalten.
Schubladendenken mag Sicherheit geben. Menschliches Verstehen braucht mehr Tiefe.